Eine eigene Social Media Agentur gründen?

So alle paar Monate kommt im Internet eine neue Geschäftsidee für diejenigen auf, die da unbedingt schnell zu Geld kommen wollen. Wenn es geht, dann ohne lästige Ausbildung oder lästiges Studium. Der Traum von der Selbstständigkeit und der verlockenden finanziellen Freiheit geht um. In Deutschland zählt der Erfolg und wer es nicht schafft, dem fehlt halt das Mindset. Das Problem ist nur, dass es die Mehrheit trotz bestem Mindset nicht schafft und frustriert in einem Angestelltenverhältnis landet. Selbstständigkeit ist nicht für jedermann, doch der Traum bleibt.
Aktuell geht die Geschäftsidee einer Social Media Agentur um. Sowas kann praktisch jeder machen und es bedarf, laut Online – Kurs – Anbieter, keiner Ausbildung oder spezieller Kenntnisse. Was jedoch nicht ganz richtig ist, denn entsprechende Kenntnisse werden in einem Uni – Studium vermittelt.
Besonders deutsche Firmen liegen in der Social Media weit zurück und viele Unternehmer haben immer noch nicht verstanden, dass heutzutage auch das Internet zählt. Es wird sich aber nach wie vor schwer getan, den Einfluss der Social Media zu nutzen.
Unternehmer, die es dann einmal verstanden haben, wissen meistens nicht, wie genau das alles funktioniert mit Facebook, Instagram, etc. Und so sucht man sich dann eine Social Media Agentur, die das alles erledigt. Größere Unternehmen haben da ihre eigenen Abteilungen oder beauftragen externe bekannte Social Media Agenturen. Dennoch wird momentan auf Youtube suggeriert, dass jeder seine eigene Agentur ausmachen könne. Bis zu 10,000 Euro mindestens wären da im Monat drin. Anfänger haben die Chance abzusahnen und viel Arbeit sei nicht erforderlich. Leichtes Geld also.
Mit oder ohne BWL – Studium kann sich jeder rational denkende Mensch ausmalen, dass ein blutiger Anfänger um die 20 Jahre alt keinerlei Aufträge von großen Firmen erhalten wird. Ohne Erfahrung, ohne Kenntnisse im Business und vor allem ohne Referenzen. All das muss erst einmal von der Pike auf erarbeitet werden. Ich sage keinesfalls, dass jemand umsonst arbeiten solle. 10,000 Euro aufwärts bei Anfängern halte ich jedoch für maßlos übertrieben.
Da ich unverhofft eine OP unterlaufen musste und daher einige Monate nicht richtig arbeiten konnte, bat mir ein bekannter Unternehmer an, die Social Media für seine Startup – Produkte zu leiten. Immerhin war das Geld und meinen festen Bürojob konnte ich auch von daheim erledigen. Einigermaßen, aber dann doch nicht Vollzeit.
Nebenher ein wenig Social Media – Alles easy, dachte ich. Schnell aber stellte sich heraus, dass mich zwar eines der Produkte interessiert und mir die Social Media dafür entsprechend Spass macht. Andere Produkte aber sagen mir nicht unbedingt etwas, obwohl sie gut sind.
Und hier beginnt schon das erst kleine Problemchen:
Wenn einem das Produkt einer Firma nicht unbedingt zusagt, fällt es schwer sich aufzuraffen, um Social Media zu betreiben.
Hinzu kommt die Agenda des Unternehmens: Sollen die eigenen Produkte angepriesen und besser vermarktet werden oder ist die Agenda einzig und allein als INFLUENCE gedacht?
Mit INFLUENCE meine ich jetzt nicht den berühmt – berüchtigten INFLUENCER, der da unbedarft Produkte in die Kamera hält. Nein, mit INLUENCE meine ich, dass es keineswegs um den Verkauf eines Produktes geht, sondern vielmehr darum, dass gegenseitige Geschäftsbeziehungen entwickelt werden.
Beispiel: Ein anderes Unternehmen will mit eben diesem Unternehmen kooperieren. Es geht nicht um den Verkauf eines Produktes pro Stückzahl, sondern darum, dass ein anderes Unternehmen Bestellungen für Tausende Stückzahlen in Auftrag gibt. Otto Normalverbraucher – Kunde ist dabei nicht gefragt, sondern es geht um den Social Media – Einfluss des einen Unternehmen auf ein anderes. Und eine derartige Social Media Kampagne zu betreiben, ist extrem schwer, wenn man als Social Media – Heini keinerlei weitreichende Beziehungen zu wichtigen Leuten hat.
Mit WICHTIG meine ich keine Youtube Scammer bzw. Online Marketing Leute, sondern Persönlichkeiten aus der Wirtschaft. Leute, die nicht wie Schafe zu nutzlosen Kursen a la Kreuter, Bischoff und wie sie alle heißen, gehen, sondern um einflussreiche Leute mit Beziehungen zu Wirtschaftsbossen oder in die Politik. Lobbyisten gehören ebenso dazu.
Sowas als Social Media Kampagne zu haben, ist extrem schwer. Es ist wesentlich einfacher ein Produkt zu vermarkten als Einfluss in höhere Kreise aufzubauen.
Mein Fazit nach zwei Monaten: Ich bin nicht der Typ für eine Social Media Agentur, obwohl mir all das manchmal auch Spass macht. Es kommt eben sehr auf das Produkt und den Zweck der Kampagne an. Auf Dauer glücklich aber werde ich damit nicht. Aber es sind ja generell nur 4 – 5 Monate geplant. 🙂
Mein Tipp:
Überlegt Euch, ob Ihr der Typ dafür seid und immer wieder neue Kampagnen aus dem Ärmel schütteln könnt. Letztlich werdet Ihr an Eurem Erfolg gemessen und der Vertrag kann schon nach einem Monat wieder gekündigt werden. Heutzutage sind die Unternehmen nicht besonders geduldig und jeder will schnellen Erfolg und hohe Verkaufszahlen.

 

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s